Typischerweise arbeitstägliches Aufsuchen desselben Ortes

 

Fahrten eines Arbeitnehmers zu seiner ersten Tätigkeitsstätte können nur im Rahmen der Entfernungspauschale, also mit 0,30 € je Entfernungskilometer für die Tage, an denen die erste Tätigkeitsstätte aufgesucht wurde, geltend gemacht werden. Der Werbungskostenabzug ist zudem auf die Entfernungspauschale begrenzt, wenn der Arbeitnehmer zwar keine erste Tätigkeitsstätte hat, er aber nach den dienst- oder arbeitsrechtlichen Festlegungen sowie den diese ausfüllenden Absprachen und Weisungen zur Aufnahme seiner beruflichen Tätigkeit dauerhaft denselben Ort oder dasselbe weiträumige Tätigkeitsgebiet typischerweise arbeitstäglich aufzusuchen hat. Für die Fahrten zu diesem festgelegten Ort können ebenfalls nur die Entfernungskilometer und nicht die tatsächlich gefahrenen Kilometer dem Werbungskostenabzug zu Grunde gelegt werden. Vor dem FG Thüringen ging es um die Frage, wann davon auszugehen ist, dass ein Arbeitnehmer einen von seinem Arbeitgeber festgelegten Ort typischerweise arbeitstäglich aufsuchen muss Der Steuerpflichtige war im Streitjahr unselbständig als Elektroinstallateur bei einem Elektrounternehmer beschäftigt. Ausweislich seines Arbeitsvertrags war sein Arbeitsort „der Sitz des Betriebs sowie alle Baustellen des Arbeitgebers“. Weitere Festlegungen hinsichtlich einer Tätigkeitsstätte enthielt der Arbeitsvertrag nicht. Er arbeitete im gesamten Streitjahr auf einer Fernbaustelle. Diese suchte er an 45 Tagen direkt von seinem Wohnsitz aus auf. An 177 Tagen fuhr er zunächst zu dem Betriebssitz seines Arbeitgebers und wurde von dort aus mit auf die Baustelle gefahren. Der Steuerpflichtige machte sowohl für die Fahrten direkt zur Baustelle als auch für die 177 Fahrten zum Betriebssitz seines Arbeitgebers die tatsächlichen Fahrtkosten nach Reisekostengrundsätzen geltend. Das Finanzamt erkannte für die Fahrten zum Betriebssitz des Arbeitgebers nur die Entfernungspauschale an. Die hiergegen gerichtete Klage wurde abgelehnt. Das Gericht ging davon aus, dass hier die Entfernungspauschale anzuwenden sei. Der Steuerpflichtige sei an 177 Tagen – und damit zu 88 % seiner Arbeitszeit – zunächst zum Betriebssitz seines Arbeitgebers gefahren. Die gesetzliche Formulierung „typischerweise arbeitstäglich“ führe nicht dazu, dass die Entfernungspauschale nicht anzuwenden sei, wenn der Arbeitnehmer an lediglich 45 Tagen den vom Arbeitgeber festgelegten Ort nicht aufgesucht habe. Mit der Formulierung wollte der Gesetzgeber zum Ausdruck bringen, dass die Entfernungspauschale auch für solche Fälle gelten soll, in denen der Arbeitnehmer gerade nicht an jedem Arbeitstag von seinem Wohnort aus einen Sammelpunkt oder ein bestimmtes weiträumiges Arbeitsgebiet seines Arbeitgebers aufsuche. 

Quelle: FG Thüringen, Urteil vom 28. Februar. 2019, 1 K 498/17 – Rev. eingelegt (Az. des BFH: VI R 14/19), EFG 2019 - Heft 11 Seite 883

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