Steuerberatungsgesellschaft Born mbH

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Mandantenrundschreiben 2007

Landwirtschaft IV/2007

Inhalt

 1. Hinweise zum Kalenderjahresende
     - Abschreibung
     - Rücklagenbildung und -auflösung
     - Ansparrücklage / Investitionsabzugsbetrag
     - Abgeltungssteuer
     - Gesundheitsvorsorge/besondere Belastungen
     - Altersvorsorge 

 2. Steuerberatungskosten: Nichtabzugsfähigkeit vor Gericht

 3.  Keine Zukaufgrenze für landwirtschaftliche Produkte bei der Umsatzsteuer

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1. Hinweise zum Kalenderjahresende

Wie in jedem Jahr treten zum Jahreswechsel steuerliche Änderungen in Kraft. Die diesjährigen
Neuerungen sollte man ganz besonders beachten, denn schließlich hat die Bundesregierung die Unternehmensteuerreform auf den Weg gebracht, die für weit reichende Änderungen sorgt.
Aber auch im Bereich der Erbschaft- und Schenkungsteuer steht demnächst eine Reform an.
Nicht zuletzt wegen des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes, das die derzeitige Bewertung
für erbschaft- und schenkungsteuerliche Zwecke für verfassungswidrig erklärte, wurde die
Große Koalition unter Zugzwang gesetzt. Erfreulicherweise sorgt die gute konjunkturelle Lage
auch für steuerliche Mehreinnahmen, die zum Teil für steuerliche Entlastungen verwendet
werden.

Die meisten steuerlichen Änderungen treten erst ab dem 1.1.2008 in Kraft, einige gelten bereits
für das Jahr 2007. Steuerlichen Handlungsbedarf gibt es sowohl auf privater als auch auf
betrieblicher Ebene.

Das Unternehmensteuerreformgesetz ist zwischenzeitlich im Bundesgesetzblatt verkündet
worden und tritt damit planmäßig in Kraft. Die durchaus zum Teil erheblichen Änderungen treten
größtenteils ab dem 1.1.2008 in Kraft, manche gelten aber schon für Wirtschaftsjahre, die zum
31.12.2007 enden.

Im Mittelpunkt der Reformbemühungen stand, die Steuerlast der Unternehmen auf unter 30 %
zu senken. Dieses Ziel wurde für Kapitalgesellschaften weitgehend erreicht, indem der Körper-
schaftsteuersatz von 25 % auf 15 % gesenkt wurde. Zusammen mit der Gewerbesteuer soll sich
eine Gesamtbelastung ergeben, die unter dieser Grenze bleibt. Die meisten Einzelunternehmer
und Mitunternehmer von Personengesellschaften haben einen persönlichen Steuersatz, der 30 %
nicht überschreitet. Alle anderen Unternehmer sollen durch die sog. Thesaurierungsbegünstigung
in den Genuss der Steuersenkung kommen. Im Zuge der Unternehmensteuerreform wird ab 2009
die Abgeltungssteuer auf private Kapitalerträge eingeführt. Um die Steuerausfälle durch die
gesenkten Steuersätze auf - so das Ziel der Großen Koalition - 5 Mrd. € zu limitieren, wurden im
Gegenzug eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, die sich steuererhöhend auswirken.

Unternehmer sollten besonders Folgendes bei ihrer Steuerplanung zum Jahresende berücksichtigen:

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Abschreibung

Ob man Wirtschaftsgüter linear oder degressiv abschreibt - diese Wahl, mit der sich der betriebliche
Gewinn gestalten lässt, haben Steuerpflichtige nur noch für Wirtschaftsgüter, die vor dem 1.1.2008
angeschafft oder hergestellt werden. Die Unternehmensteuerreform schafft das Wahlrecht zur
degressiven Abschreibung mit dem Jahreswechsel ab. Doch damit ist es bei den Änderungen im Abschreibungsbereich noch nicht erledigt: das Wahlrecht zur Sofortabschreibung geringwertiger
Wirtschaftsgüter wird ebenfalls geändert. Ab 2008 sind Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten 150 € nicht übersteigen, zwingend sofort abzuschreiben. Für Beträge, die 150 €
überschreiten aber unter 1.000 € liegen, ist ein Sammelposten zu bilden, der über fünf Jahre hinweg gewinnmindernd aufzulösen ist.

Wie bisher bleibt es dabei, dass ab dem Jahr der Anschaffung oder Herstellung abgeschrieben werden
muss. Dabei gilt der Grundsatz „pro rata temporis", d.h. die AfA kann nur zeitanteilig - monatsgenau -
in Anspruch genommen werden.

Hinweis:
Bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens können aber noch von der
degressiven Abschreibung von 30 % profitieren, wenn sie noch vor dem 1.1.2008
angeschafft oder hergestellt werden. Wer also die Anschaffung von Anlagevermögen
plant, für den kann ein Vorziehen ins Jahr 2007 aus steuerlicher Sicht sinnvoll sein.
Gleiches gilt für die Investition in Kleingeräte mit einem Wert zwischen 150 und 999 Euro.

Möglich bleibt auch weiterhin die Sonderabschreibung, bei der es ab 2008 ebenfalls zu
einigen Änderungen kommt. Es bleibt dabei, dass diese 20 % der Anschaffungs- oder
Herstellungskosten beträgt und im Jahr der Anschaffung/Herstellung oder in den folgenden
vier Jahren vorgenommen werden kann. Sie sind also nicht verpflichtet, diese Sonderab-
schreibungen gleich im Erstjahr vorzunehmen; der Gewinn kann vielmehr über mehrere Jahre
geglättet werden. Bei den Sonderabschreibungen handelt es sich außerdem um Jahresab-
schreibungen, d.h. unabhängig vom Zeitpunkt der Anschaffung wird die Sonderabschreibung
für das ganze Wirtschaftsjahr gewährt.

Zu beachten sind folgende Neuerungen, die ab 2008 gelten:

· für die Inanspruchnahme der Sonderabschreibung ist es nicht
  mehr Voraussetzung, dass eine Ansparrücklage (künftig: 
  Investitionsabzugsbetrag) gebildet wird,

· das Unternehmen muss die neuen Größenmerkmale am Ende des
  vorangegangenen Wirtschaftsjahres erfüllen (siehe dazu Ausführungen
  zum Investitionsabzugsbetrag),

· das angeschaffte Wirtschaftsgut kann auch gebraucht sein und
· muss zu mindestens 90 % zu betrieblichen Zwecken im Inland genutzt werden.

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Rücklagenbildung und -auflösung

Auch über die Bildung bzw. Auflösung von Rücklagen kann der betriebliche Gewinn erheblich beeinflusst werden. In Frage kommen u.a. die Rücklage aus der Veräußerung bestimmter Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens (§ 6b/6c EStG), die Rücklage für Ersatzbeschaffung, wenn Wirtschaftsgüter zwangsweise aus dem Betriebsvermögen ausgeschieden sind und die Ansparrücklage bzw. der Investitionsabzugsbetrag für zukünftige Investitionen.
Bestehen § 6b/6c-Rücklagen aus der Veräußerung bestimmter Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens (Grund und Boden, Gebäude, Aufwuchs mit dem dazugehörenden Grund und Boden, Anteile an Kapitalgesellschaften) ist zu prüfen, ob eine Rücklagenauflösung vorzunehmen ist, z.B. wegen Ablauf der Reinvestitionsfrist (ggf. Übertragung auf Ersatzwirtschaftsgüter) oder wenn Verluste kompensiert werden können.
Entsprechende Überlegungen sind auch für eine bestehende Rücklage für Ersatzbeschaffung anzustellen, die ursprünglich gebildet wurde, weil ein Wirtschaftsgut infolge höherer Gewalt, wie etwa Brand, Sturm, Überschwemmung oder zur Vermeidung einer Enteignung, aus dem Betriebsvermögen ausgeschieden ist.

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Ansparrücklage / Investitionsabzugsbetrag

Die bisherige Ansparrücklage wurde im Zuge der Unternehmensteuerreform erheblich geändert und durch den sog. Investitionsabzugsbetrag ersetzt. Die Neuerungen gelten bereits für Wirtschaftsjahre, die nach dem 17.8.2007 (Tag der Verkündung des Unternehmensteuerreformgesetzes im Bundesgesetzblatt) enden. Betroffen sind im Jahr 2007 alle Steuerpflichtigen, die ein kalendergleiches Wirtschaftsjahr haben. Land- und Forstwirte mit abweichendem Wirtschaftsjahr, wie etwa vom 1.7. - 30.6., können im Wirtschaftsjahr 2006/2007 noch die Altregelung anwenden.
Vom Investitionsabzugsbetrag können wie bei der bisherigen Ansparrücklage Gewerbetreibende, Freiberufler und Land- und Forstwirte profitieren, indem sie ihren Gewinn in Höhe von 40 % in Höhe der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten für Investitionen der nächsten drei (bisher: zwei) Wirtschaftsjahre mindern. Begünstigt sind und bleiben nur kleine und mittelständische Betriebe, wobei die Größenmerkmale leicht angehoben wurden. So darf das Betriebsvermögen bei bilanzierenden Unternehmen im Abzugsjahr 235.000 € nicht übersteigen und bei Land- und Forstwirten liegt die Grenze bei einem Wirtschaftswert von 125.000 €. Neu ist, dass künftig Einnahme-Überschussrechner nur dann ihren Gewinn durch den Investitionsabzugsbetrag mindern können, wenn der Gewinn 100.000 € nicht überschreitet.
Die steuerlichen Vergünstigungen sind nun nicht mehr nur auf neue Wirtschaftsgüter beschränkt. Auch für gebrauchte bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens darf der Gewinn entsprechend gemindert werden. Des Weiteren muss das Wirtschaftsgut mindestens 90 % betrieblich genutzt werden und mindestens noch ein Wirtschaftsjahr nach dem Jahr seiner Anschaffung zum Betrieb gehören.
Gelockert wird die Investitionsbeschreibung: forderte bisher das Finanzamt noch eine hinreichende Bezeichnung, so genügt künftig, das geplante Investitionsgut nach seiner Funktion zu benennen.

Der Investitionsabzugsbetrag ist auf 200.000 € (bisher: 154.000 €) begrenzt. Die Grenze bezieht sich aber nicht nur auf das aktuelle Wirtschaftsjahr, sondern auch auf die Abzugsbeträge der drei vorangegangenen Wirtschaftsjahre, soweit diese noch nicht wieder hinzugerechnet wurden. Wer noch aus früheren Wirtschaftsjahren Ansparrücklagen gebildet hat, muss diese nicht im Wirtschaftsjahr 2007 bzw. 2007/2008 auflösen. Diese können parallel zu einem eventuellen Investitionsabzugsbetrag bestehen bleiben, dürfen aber gemeinsam mit dem Investitionsabzugsbetrag die Grenze von 200.000 € nicht
überschreiten.
Wenn das Wirtschaftsgut angeschafft wird, ist der in Anspruch genommene Investitionsabzugsbetrag außerhalb der Bilanz gewinnerhöhend hinzuzurechnen. Neben der Hinzurechnung ist im gleichen Jahr eine betragsgleiche Kürzung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten aufwandswirksam vorzunehmen. Das gab es bei der bisherigen Ansparabschreibung nicht.
Eine der gravierendsten Änderungen ist wohl, dass eine Gewinnglättung bzw. Gewinnverschiebung künftig nicht mehr möglich ist. Wenn der Investitionsabzugsbetrag rückgängig gemacht werden muss, etwa weil keine Investition erfolgte oder die Anschaffungskosten geringer ausfallen wie geplant, dann wird rückwirkend der Steuerbescheid des Abzugsjahres geändert. Der entsprechende Betrag muss zusätzlich verzinst werden.

Hinweis:
Für Steuerpflichtige mit Einnahmen-Überschussrechnung könnte das bedeuten, dass sie ihre Rücklagen nach altem Recht bei fehlender Investition spätestens 2008 auflösen müssen, wenn sie die Ansparrücklage zur Verlagerung von Gewinnen benutzt haben. Es sollte geprüft werden, ob für 2006 überhaupt noch die Bildung einer Ansparrücklage sinnvoll ist oder man sollte anstreben, Altrücklagen in den Jahren 2006 und 2007 sukzessive aufzulösen, um damit den gewünschten Effekt einer Progressionsmilderung zu erreichen.
Gestrichen wurde auch die sog. Existenzgründerrücklage. Die bisherigen Erleichterungen bei der Ansparrücklage für Existenzgründer, wie etwa der erweiterte Investitionszeitraum, wurden für den Investitionsabzugsbetrag nicht übernommen.

Hinweis:
Die erhöhten Förderbeträge, die zusätzlichen Abschreibungsmöglichkeiten von bis zu 40 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten sowie die Inanspruchnahme der Sonderabschreibung unabhängig vom Investitionsabzugsbetrag führen zu einer verbesserten steuerlichen Begünstigung künftiger Investitionen. Erschwernisse wie die Neuwertigkeit der Investition, deren genaue Bezeichnung oder die buchtechnische Abwicklung entfallen. Wer die Ansparabschreibung bislang aber nur als Steuersparmodell ohne Investitionsabsicht gesehen hat, für den hat der Investitionsabzug an Attraktivität verloren. Der Wegfall der Existenzgründerrücklage sowie die Einführung einer Gewinngrenze für Einnahme-Überschussrechner, die besonders bei Sozietäten die Inanspruchnahme der Förderung unmöglich machen könnte, wirken für die Betroffenen nachteilig. Lassen Sie sich von uns beraten, wie Sie die neue Förderung zu Ihren Gunsten nutzen können! 


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Rückstellungen

Gewinnmindernde Rückstellungen werden gebucht, um nachträgliche Ausgaben vollständig zu erfassen oder um gebuchte Erlöse richtig zu stellen (nachträgliche Erlösschmälerungen). Es reicht für eine Rückstellungsbildung nicht aus, dass die bloße Möglichkeit der Inanspruchnahme oder eines Verlustes besteht. Rückstellungen können z.B. gebildet werden für:

· bestehende Urlaubsverpflichtungen,
· Prozesskosten,
· Pensionen,
· Instandhaltungen oder
· Buchführungskosten.

Für alle übrigen Steuerpflichtigen gibt es folgende Möglichkeiten, um ihre Steuerlast zum Jahresende zu minimieren:

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Abgeltungssteuer

Ab dem 1.1.2009 wird die Abgeltungsteuer eingeführt, wodurch sämtliche Kapitalerträge pauschal mit 25 % besteuert werden. Neu ist, dass nicht nur die „klassischen" Kapitalerträge, wie Zinsen und Dividenden, unter die Abgeltungssteuer fallen, sondern auch Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren, die bislang nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei verkauft werden konnten. Das nunmehr noch geltende System des Halbeinkünfteverfahrens entfällt damit für Privatanleger.

Hinweis:
Wertpapiere, die noch vor dem 1.1.2009 erworben werden, können auch nach Einführung der Abgeltungssteuer steuerfrei veräußert werden, wenn die Spekulationsfrist abgelaufen ist. Ohne Ablauf dieser Frist wird das Halbeinkünfteverfahren weiterhin angewandt.

Der ohnehin seit 2007 reduzierte Sparerfreibetrag wird künftig in den sog. Sparerpauschbetrag von 801 € (Verheiratete: 1.602 €) übergeleitet. Der Sparerpauschbetrag soll alle Werbungskosten abdecken. Darüber hinaus können keine Werbungskosten berücksichtigt werden. Das birgt insbesondere für Steuerpflichtige mit fremdfinanzierten Kapitalanteilen Nachteile.

Hinweis:
Die Abgeltungssteuer ist grundsätzlich für Kapitalanleger vorteilhaft, deren persönlicher Steuersatz über 25 % liegt und deren Werbungskosten den Sparerpauschbetrag nicht überschreiten. Hier sollte überlegt werden, ob man Einkünfte aus Kapitalvermögen eventuell ins Jahr 2009 verschiebt, um vom günstigeren Steuersatz zu profitieren.
Anleger mit einem niedrigerem Steuersatz als 25 % brauchen übrigens keine Nachteile zu befürchten: ihnen steht immer noch der Weg offen, sich die einbehaltene Abgeltungssteuer durch eine individuelle Veranlagung erstatten zu lassen.  

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Gesundheitsvorsorge/besondere Belastungen

Krankheitskosten und andere außergewöhnliche Belastungen, wie Unfallkosten, Kosten der Ehescheidung oder auch die Kosten in Sterbefällen, soweit sie das Erbvermögen übersteigen, können steuerlich berücksichtigt werden. Das ist aber nur dann möglich, wenn sie einen bestimmten Betrag - die sog. zumutbare Belastung - überschreiten. Wie hoch die zumutbare Belastung ist, hängt vom Gesamtbetrag der Einkünfte des Steuerpflichtigen als auch von der Anzahl der Kinder bzw. dem Familienstand ab.

Zumutbare Belastung



Gesamtbetrag der Einkünfte in €
bis 15.340
bis 51.130
über 51.130
1. bei Steuerpflichtigen, die keine
Kinder haben und bei denen die
Steuernach der Grundtabelle
ermittelt wird
5 %
6 %
7 %
2. bei Steuerpflichtigen, die keine
Kinder haben und bei denen die
Steuer nach der Splittingtabelle
ermittelt wird
4 %
6 %
6 %
3. bei Steuerpflichtigen mit
1 oder 2 Kindern
2 %
3 %
4 %
4. bei Steuerpflichtigen mit 3
oder mehr Kindern
1 %
1 %
2 %

Hinweis:
Damit bspw. Krankheitskosten überhaupt steuerlich geltend gemacht werden können, müssen die Grenzwerte überschritten werden. Gewisse Aufwendungen, wie z.B. die Zahlung des Zahnersatzes, die Anschaffung einer neuen Brille oder von Kontaktlinsen, sollten wenn möglich auf ein Jahr konzentriert werden. Aber auch die Belege für die Zahlung der Praxisgebühr oder andere Quittungen wegen Zuzahlungen im Gesundheitswesen, wie etwa über Medikamentenzuzahlungen in Apotheken, sollten gesammelt werden.

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Altersvorsorge

Die Berücksichtigung von Sonderausgaben bzw. Beiträgen für die Altersvorsorge wurde durch das Alterseinkünftegesetz ab 2005 grundlegend geändert. Beiträge zu einer sog. Basisversorgung, dazu zählen Beiträge:  

 

· zur gesetzlichen Rentenversicherung,
· zur landwirtschaftlichen Alterskasse,
· an berufsständische Versorgungswerke sowie
· in eine Rürup-Rente.

werden nun steuerlich verstärkt gefördert. Die Beiträge können jedoch noch nicht in vollem Umfang geltend gemacht werden. Das ist erst im Jahr 2025 der Fall und zwar bis zu einer Höchstgrenze von 20.000 € bzw. 40.000 € bei Verheirateten. Die im Jahr 2007 (2008) geleisteten Beiträge werden nur zu 64 % (66 %) als Sonderausgaben berücksichtigt.

Aus steuerlichen Gründen kann sich der Abschluss einer Rürup-Rente unter bestimmten Voraussetzungen lohnen, denn die Beiträge können bis zur Höhe von 20.000 € bzw. 40.000 € im Jahr als Sonderausgaben abgezogen werden. In Frage kann das für Selbständige kommen, die ihre Altersvorsorge bisher über private Lebens- oder Rentenversicherungen abgedeckt haben, da diese Verträge an steuerlicher Attraktivität verloren haben. Aber auch wenn sich das Jahreseinkommen durch einmalige Einkünfte erhöht hat, wie etwa durch Veräußerungsgewinne oder Abfindungen, ist der Abschluss einer Rürup-Rente gegen Einmalzahlung interessant, sofern es keine anderen Gestaltungsmöglichkeiten gibt, um die Steuerlast zu senken.

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2. Steuerberatungskosten: Nichtabzugsfähigkeit vor Gericht

Seit dem Veranlagungszeitraum 2006 können Steuerberatungskosten nicht mehr als Sonderausgaben abgezogen werden. Wer nach dem 31.12.2005 Steuerberatungskosten zahlt, kann diese nur noch dann steuerlich geltend machen, wenn es sich um Betriebsausgaben oder Werbungskosten handelt. D.h. nur die Kosten für einkunftsartenbezogene Beratungs- und Deklarationsleistungen können berücksichtigt werden. Private Steuerberatungskosten, wie z.B. für eine Erbschaftsteuererklärung, werden zur Privatangelegenheit. Dabei sind die Kosten für Steuerberatung für die meisten Steuerpflichtigen unvermeidbar, da das deutsche Steuerrecht alles andere als einfach ist. Um ihre steuerlichen Pflichten zu erfüllen, sind die Steuerpflichtigen geradezu auf fachliche Unterstützung angewiesen.Inzwischen gibt es zwei Musterverfahren vor den Finanzgerichten, die sich gegen die Nichtabzugsfähigkeit der privaten Steuerberatungskosten ab dem Jahr 2006 richten. Die Steuerpflichtigen haben sogar angekündigt, dass sie bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen wollen.


Hinweis:
Damit Sie von den Musterverfahren profitieren können, sollten Sie gegen Ihren Einkommensteuerbescheid Einspruch einlegen. Verweisen Sie auf die beiden anhängigen Verfahren vor dem Niedersächsischen Finanzgericht (Az. 10 K 103/07) und dem Finanzgericht Baden-Württemberg (Az. 5 K 186/07) und beantragen Sie das Ruhen des Verfahrens. Das Einspruchsverfahren ruht dann zwar nicht kraft Gesetz, denn das ist erst dann der Fall, wenn die Verfahren beim BFH anhängig sind. Allerdings kommt ein Ruhen aus Zweckmäßigkeitsgründen in Betracht. Es steht jedoch im Ermessen Ihres Finanzamts, ob es das Verfahren tatsächlich ruhen lässt und sicherlich kommen nicht alle Finanzämter diesem Antrag nach. Gegebenenfalls sollte auf die Verfügung der OFD Koblenz verwiesen werden, die die Finanzämter in ihrem Bezirk zur Verfahrensruhe angewiesen hat. Wir beraten Sie gern!

Quelle: OFD-Koblenz, Verfügung vom 20. August 2007, S 2221 A St 32 3, LEXinform Nr. 5230834

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3. Keine Zukaufgrenze für landwirtschaftliche Produkte bei der Umsatzsteuer

In einem aktuellen Urteil hat der BFH die erst im Jahr 2001 von ihm speziell für die Umsatzsteuer aufgestellte Zukaufgrenze von 20 % wieder aufgehoben.

Geklagt hatte ein Gärtnermeister, der in drei Verkaufsgewächshäusern neben selbst erzeugten Blumen und Zierpflanzen auch zugekaufte gärtnerische (landwirtschaftliche) Produkte und Handelswaren, nämlich Blumentöpfe, Übertöpfe, Pflanzschalen etc. verkaufte. Sämtliche Umsätze unterwarf er der Umsatzsteuerpauschalierung. Das Finanzamt dagegen beabsichtigte, die Umsätze, die auf den Weiterverkauf der hinzu erworbenen Handelswaren entfielen, der Regelbesteuerung zu unterwerfen. Hiergegen legte der Gärtner Einspruch ein. Schließlich „verböserte" das Finanzamt, d.h. es unterwarf sämtliche Umsätze der Verkaufsgewächshäuser der Regelbesteuerung, da diese Läden als selbständige Gewerbebetriebe zu beurteilen seien. Hiergegen klagte der Gärtner.

Der BFH stellt für den Streitfall fest, dass nicht sämtliche in dem Laden des Gärtners getätigten Umsätze der Regelbesteuerung zu unterwerfen seien. Vielmehr unterliege die Veräußerung selbst erzeugter landwirtschaftlicher Produkte der Umsatzsteuerpauschalierung.
Die Veräußerung zugekaufter landwirtschaftlicher Produkte dagegen sowie die Veräußerung zugekaufter nicht betriebstypischer Produkte (Handelswaren) unterlägen jedoch der Regelbesteuerung.

Sein Urteil aus dem Jahre 2001, in dem noch festgestellt worden war, dass der Verkauf zugekaufter landwirtschaftlicher Produkte ebenfalls der Pauschalierung unterwerfen werden konnte, sofern der Umsatz aus dem Zukauf nicht 20 % des Gesamtumsatzes übersteige, sei im Hinblick auf die neuere Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes nicht mehr haltbar, so der BFH.

Das bedeutet, werden über einen Hofladen sowohl eigen erzeugte als auch zugekaufte landwirtschaftliche Produkte und Handelswaren vermarktet, können nur noch die eigen erzeugten landwirtschaftlichen Produkte der Pauschalierung unterworfen werden. Zugekaufte Ware - egal, ob landwirtschaftlichen oder gewerblichen Ursprungs - muss der Regelbesteuerung unterworfen werden.

Hinweis:
Allerdings hat der Landwirt dann auch einen entsprechenden Vorsteuerabzug. Da der Erwerb landwirtschaftlicher Produkte häufig von einem pauschalierenden Landwirt mit 10,7 % Vorsteuer erfolgt, der Verkauf aber mit 7 % Umsatzsteuer zu versteuern ist, können sich durch die neue Rechtsprechung sogar finanzielle Vorteile ergeben.
Nichts desto trotz wäre aber gerade für kleinere Direktvermarkter eine Bagatellgrenze wünschenswert, denn der bürokratische Aufwand (z.B. Ermittlung der (anteiligen) Vorsteuer, Umsatzsteuervoranmeldungen und -erklärungen) steht in keinem Verhältnis zu einem möglicherweise nur geringen finanziellen Vorteil. Viele Landwirte erwerben landwirtschaftliche Produkte nämlich lediglich zur Angebotsabrundung hinzu. Ob die Finanzverwaltung eine Bagatellgrenze und/oder eine Übergangsregelung einführen wird, ist zurzeit vollkommen unklar.
Beachten muss man außerdem die weiterhin gültige Zukaufgrenze von 30 % für einkommensteuerliche Zwecke (Abgrenzung zum Gewerbe).
Direktvermarkter sollten laufend ihre betriebliche Entwicklung unter steuerlichen Gesichtspunkten
überprüfen lassen. In manchen Fällen empfiehlt sich von vornherein eine Trennung der Betriebe in
einen landwirtschaftlichen Erzeugerbetrieb und einen gewerblichen Direktvermarktungs- bzw. Dienstleistungsbetrieb. Dies ist jedoch immer eine Einzelfallentscheidung, die auch unter außersteuerlichen Gesichtspunkten (z.B. sozialversicherungsrechtlichen Kriterien) geprüft werden muss. Lassen Sie sich im Hinblick auf die o.g. neue Rechtsprechung von uns beraten und prüfen, welche Konsequenzen auf Sie als Direktvermarkter zukommen.

Quelle: BFH-Urteil vom 14. Juni 2007, V R 56/05, LEXinform Nr. 0586938


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