Steuerberatungsgesellschaft Born mbH

Unsere Kompetenz - Ihr Erfolg...

Mandantenrundschreiben 2007

Gewerbe IV/2007

Inhalt

1. Hinweise zum Kalenderjahresende
     - Abschreibung  
     - Rücklagenbildung und -auflösung
     - Ansparrücklage / Investitionsabzugsbetrag
     - Rückstellungen
     - Änderungen bei der Gewerbesteuer
     - Besonderheiten bei Kapitalgesellschaften
     - Unternehmensteuerreform - Auswirkungen auf die Wahl der
        Rechtsform
     - Abgeltungssteuer   
     - Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen und
        Beschäftigungsverhältnisse
     - Gesundheitsvorsorge/besondere Belastungen
     - Altersvorsorge
    
2. Steuerberatungskosten: Nichtabzugsfähigkeit vor Gericht

3. Streichung der Pendlerpauschale gerät ins Wanken

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1. Hinweise zum Kalenderjahresende  

Wie in jedem Jahr treten zum Jahreswechsel steuerliche Änderungen in Kraft. Die diesjährigen Neuerungen sollte man ganz besonders beachten, denn schließlich hat die Bundesregierung die Unternehmensteuerreform auf den Weg gebracht, die für weit reichende Änderungen sorgt. Aber auch im Bereich der Erbschaft- und Schenkungsteuer steht demnächst eine Reform an. Nicht zuletzt wegen des Urteils des Bundesverfassungs-
gerichtes, das die derzeitige Bewertung für erbschaft- und schenkungsteuerliche
Zwecke für verfassungswidrig erklärte, wurde die Große Koalition unter Zugzwang gesetzt. Erfreulicherweise sorgt die gute konjunkturelle Lage auch für steuerliche Mehreinnahmen, die zum Teil für steuerliche Entlastungen verwendet werden.

Die meisten steuerlichen Änderungen treten erst ab dem 1.1.2008 in Kraft, einige gelten bereits für das Jahr 2007. Steuerlichen Handlungsbedarf gibt es sowohl auf privater als auch auf betrieblicher Ebene. Durch eine entsprechende Planung, welche Gestaltungen auf 2008 verschoben werden sollen oder welche noch in diesem Jahr veranlasst oder umgesetzt werden sollten, lässt sich zur Senkung der steuerlichen Belastung einiges erreichen.

Das Unternehmensteuerreformgesetz ist zwischenzeitlich im Bundesgesetzblatt verkündet worden und tritt damit planmäßig in Kraft. Die durchaus zum Teil erheblichen Änderungen treten größtenteils ab dem 1.1.2008 in Kraft, manche gelten aber schon für Wirtschaftsjahre, die zum 31.12.2007 enden.

Im Mittelpunkt der Reformbemühungen stand, die Steuerlast der Unternehmen auf unter 30 % zu senken. Dieses Ziel wurde für Kapitalgesellschaften weitgehend erreicht, indem der Körperschaftsteuersatz von 25 % auf 15 % gesenkt wurde. Zusammen mit der Gewerbe- steuer soll sich eine Gesamtbelastung ergeben, die unter dieser Grenze bleibt. Die meisten Einzelunternehmer und Mitunternehmer von Personengesellschaften haben einen persönlichen Steuersatz, der 30 % nicht überschreitet. Alle anderen Unternehmer sollen durch die sog. Thesaurierungsbegünstigung in den Genuss der Steuersenkung kommen. Im Zuge der Unternehmensteuerreform wird ab 2009 die Abgeltungssteuer auf private Kapitalerträge eingeführt. Um die Steuerausfälle durch die gesenkten Steuersätze auf - so das Ziel der Großen Koalition - 5 Mrd. € zu limitieren, wurden im Gegenzug eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, die sich steuererhöhend auswirken. Die Neuerungen werden Laufe dieses Artikels im Einzelnen vorgestellt.

Unternehmer sollten besonders Folgendes bei ihrer Steuerplanung zum Jahresende berücksichtigen:

Abschreibung

Ob man Wirtschaftsgüter linear oder degressiv abschreibt - diese Wahl, mit der sich der betriebliche Gewinn gestalten lässt, haben Steuerpflichtige nur noch für Wirtschaftsgüter, die vor dem 1.1.2008 angeschafft oder hergestellt werden. Die Unternehmensteuerreform schafft das Wahlrecht zur degressiven Abschreibung mit dem Jahreswechsel ab. Doch damit ist es bei den Änderungen im Abschreibungsbereich noch nicht erledigt:
das Wahlrecht zur Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter wird ebenfalls geändert. Ab 2008 sind Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten 150 € nicht übersteigen, zwingend sofort abzuschreiben. Für Beträge, die 150 € überschreiten aber unter 1.000 € liegen, ist ein Sammelposten zu bilden, der über fünf Jahre hinweg gewinnmindernd aufzulösen ist. 

Wie bisher bleibt es dabei, dass ab dem Jahr der Anschaffung oder Herstellung abgeschrie- ben werden muss. Dabei gilt der Grundsatz „pro rata temporis", d.h. die AfA kann nur zeitanteilig - monatsgenau - in Anspruch genommen werden.  

Hinweis:
Bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens können aber noch von der degressiven Abschreibung von 30 % profitieren, wenn sie noch vor dem 1.1.2008 angeschafft oder hergestellt werden. Wer also die Anschaffung von Anlagevermögen plant, für den kann ein Vorziehen ins Jahr 2007 aus steuerlicher Sicht sinnvoll sein. Gleiches gilt für die Investition in Kleingeräte mit einem Wert zwischen 150 und 999 €.  

Möglich bleibt auch weiterhin die Sonderabschreibung, bei der es ab 2008 ebenfalls zu einigen Änderungen kommt. Es bleibt dabei, dass diese 20 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten beträgt und im Jahr der Anschaffung/Herstellung oder in den folgenden vier Jahren vorgenommen werden kann. Sie sind also nicht  verpflichtet, diese Sonderab-
schreibungen gleich im Erstjahr vorzunehmen; der Gewinn kann vielmehr über mehrere Jahre geglättet werden. Bei den Sonderabschreibungen handelt es sich außerdem um Jahresabschreibungen, d.h. unabhängig vom Zeitpunkt der Anschaffung wird die Sonderabschreibung für das ganze Wirtschaftsjahr gewährt.  

Zu beachten sind folgende Neuerungen, die ab 2008 gelten:

· für die Inanspruchnahme der Sonderabschreibung ist es nicht mehr Voraussetzung, dass
  eine  Ansparrücklage (künftig: Investitionsabzugsbetrag) gebildet wird,

· das Unternehmen muss die neuen Größenmerkmale am Ende des vorangegangenen
  Wirtschaftsjahres erfüllen (siehe dazu Ausführungen zum Investitionsabzugsbetrag),

· das angeschaffte Wirtschaftsgut kann auch gebraucht sein und

· muss zu mindestens 90 % zu betrieblichen Zwecken im Inland genutzt werden.

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Rücklagenbildung und -auflösung

Auch über die Bildung bzw. Auflösung von Rücklagen kann der betriebliche Gewinn erheblich beeinflusst werden.
In Frage kommen u.a. die Rücklage aus der Veräußerung bestimmter Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens (§ 6b/6c EStG), die Rücklage für Ersatzbeschaffung, wenn Wirtschafts- güter zwangsweise aus dem Betriebsvermögen ausgeschieden sind und die Ansparrücklage bzw. der Investitionsabzugsbetrag für zukünftige Investitionen. Bestehen § 6b/6c-Rücklagen aus der Veräußerung bestimmter Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens (Grund und
Boden, Gebäude, Aufwuchs mit dem dazugehörenden Grund und Boden, Anteile an Kapitalgesellschaften) ist zu prüfen, ob eine Rücklagenauflösung vorzunehmen ist, z.B. wegen Ablauf der Reinvestitionsfrist (ggf. Übertragung auf Ersatzwirtschaftsgüter) oder wenn Verluste kompensiert werden können.
Entsprechende Überlegungen sind auch für eine bestehende Rücklage für Ersatzbeschaffung anzustellen, die ursprünglich gebildet wurde, weil ein Wirtschaftsgut infolge höherer Gewalt, wie etwa Brand, Sturm, Überschwemmung oder zur Vermeidung einer Enteignung, aus dem Betriebsvermögen ausgeschieden ist.

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Ansparrücklage / Investitionsabzugsbetrag

Die bisherige Ansparrücklage wurde im Zuge der Unternehmensteuerreform erheblich geändert und durch den sog. Investitionsabzugsbetrag ersetzt. Die Neuerungen gelten bereits für Wirtschaftsjahre, die nach dem 17.8.2007 (Tag der Verkündung des Unternehmensteuerreformgesetzes im Bundesgesetzblatt) enden. Betroffen sind im Jahr 2007 alle Steuerpflichtigen, die ein kalendergleiches Wirtschaftsjahr haben.
Land- und Forstwirte mit abweichendem Wirtschaftsjahr, wie etwa vom 1.7. - 30.6., können im Wirtschaftsjahr 2006/2007 noch die Altregelung anwenden.

Vom Investitionsabzugsbetrag können wie bei der bisherigen Ansparrücklage Gewerbetreibende, Freiberufler und Land- und Forstwirte profitieren, indem sie ihren Gewinn in Höhe von 40 % in Höhe der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten für Investitionen der nächsten drei (bisher: zwei) Wirtschaftsjahre mindern. Begünstigt sind und bleiben nur kleine und mittelständische Betriebe, wobei die Größenmerkmale leicht angehoben wurden. So darf das Betriebsvermögen bei bilanzierenden Unternehmen im Abzugsjahr 235.000 € nicht übersteigen und bei Land- und Forstwirten liegt die Grenze bei einem Wirtschaftswert von 125.000 €. Neu ist, dass künftig Einnahme-Überschussrechner nur dann ihren Gewinn durch den Investitionsabzugsbetrag mindern können, wenn der Gewinn 100.000 € nicht überschreitet.

Die steuerlichen Vergünstigungen sind nun nicht mehr nur auf neue Wirtschaftsgüter beschränkt. Auch für gebrauchte bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens darf der Gewinn entsprechend gemindert werden.
Des Weiteren muss das Wirtschaftsgut mindestens 90 % betrieblich genutzt werden und mindestens noch ein Wirtschaftsjahr nach dem Jahr seiner Anschaffung zum Betrieb gehören.

Gelockert wird die Investitionsbeschreibung: forderte bisher das Finanzamt noch eine hinreichende Bezeichnung, so genügt künftig, das geplante Investitionsgut nach seiner Funktion zu benennen.

Der Investitionsabzugsbetrag ist auf 200.000 € (bisher: 154.000 €) begrenzt. Die Grenze bezieht sich aber nicht nur auf das aktuelle Wirtschaftsjahr, sondern auch auf die Abzugsbeträge der drei vorangegangenen Wirtschaftsjahre,  soweit diese noch nicht wieder hinzugerechnet wurden. Wer noch aus früheren Wirtschaftsjahren Ansparrücklagen
gebildet hat, muss diese nicht im Wirtschaftsjahr 2007 bzw. 2007/2008 auflösen. Diese können parallel zu einem eventuellen Investitionsabzugsbetrag bestehen bleiben, dürfen aber gemeinsam mit dem Investitionsabzugsbetrag die Grenze von 200.000 € nicht überschreiten.

Wenn das Wirtschaftsgut angeschafft wird, ist der in Anspruch genommene Investitions-abzugsbetrag außerhalb der Bilanz gewinnerhöhend hinzuzurechnen. Neben der Hinzu-rechnung ist im gleichen Jahr eine betragsgleiche Kürzung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten aufwandswirksam vorzunehmen. Das gab es bei der bisherigen Anspar-
abschreibung nicht.

Eine der gravierendsten Änderungen ist wohl, dass eine Gewinnglättung bzw. Gewinnverschiebung künftig nicht mehr möglich ist. Wenn der Investitionsabzugsbetrag rückgängig gemacht werden muss, etwa weil keine Investition erfolgte oder die Anschaffungskosten geringer ausfallen wie geplant, dann wird rückwirkend der Steuerbescheid des Abzugsjahres geändert. Der entsprechende Betrag muss zusätzlich verzinst werden.

Hinweis:
Für Steuerpflichtige mit Einnahmen-Überschussrechnung könnte das bedeuten, dass sie ihre Rücklagen nach altem Recht bei fehlender Investition spätestens 2008 auflösen müssen, wenn sie die Ansparrücklage zur Verlagerung von Gewinnen benutzt haben. Es sollte geprüft werden, ob für 2006 überhaupt noch die Bildung einer Ansparrücklage sinnvoll ist oder man sollte anstreben, Altrücklagen in den Jahren 2006 und 2007 sukzessive aufzulösen, um damit
den gewünschten Effekt einer Progressionsmilderung zu erreichen.

Gestrichen wurde auch die sog. Existenzgründerrücklage. Die bisherigen Erleichterungen bei der Ansparrücklage für Existenzgründer, wie etwa der erweiterte Investitionszeitraum, wurden für den Investitionsabzugsbetrag nicht übernommen.

Hinweis:
Die erhöhten Förderbeträge, die zusätzlichen Abschreibungsmöglichkeiten von bis zu 40 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten sowie die Inanspruchnahme der Sonderab-schreibung unabhängig vom Investitionsabzugsbetrag führen zu einer verbesserten steuerlichen Begünstigung künftiger Investitionen. Erschwernisse wie die Neuwertigkeit der Investition, deren genaue Bezeichnung oder die buchtechnische Abwicklung entfallen. Wer die Ansparabschreibung bislang aber nur als Steuersparmodell ohne Investitionsabsicht gesehen hat, für den hat der Investitionsabzug an Attraktivität verloren. Der Wegfall der Existenzgründerrücklage sowie die Einführung einer Gewinngrenze für Einnahme-Überschussrechner, die besonders bei Sozietäten die Inanspruchnahme der Förderung
unmöglich machen könnte, wirken für die Betroffenen nachteilig. Lassen Sie sich von uns beraten, wie Sie die neue Förderung zu Ihren Gunsten nutzen können!

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Rückstellungen

Gewinnmindernde Rückstellungen werden gebucht, um nachträgliche Ausgaben vollständig zu erfassen oder um gebuchte Erlöse richtig zu stellen (nachträgliche Erlösschmälerungen). Es reicht für eine Rückstellungsbildung nicht aus, dass die bloße Möglichkeit der Inanspruchnahme oder eines Verlustes besteht. Rückstellungen können z.B. gebildet werden für:

· bestehende Urlaubsverpflichtungen,
· Prozesskosten,
· Pensionen,
· Instandhaltungen oder
· Buchführungskosten.  

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Änderungen bei der Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer richtet sich nach der Höhe des Gewerbeertrags. Der Gewerbeertrag ist der Gewinn des Betriebes unter Berücksichtigung weiterer Hinzurechnungen bzw. Kürzungen. Hinzugerechnet werden u.a. die Hälfte der Dauerschuldzinsen, letztmalig im Jahr 2007. Ab 2008 entfällt die Unterscheidung, ob bei Finanzierungsaufwendungen Dauerschuld-zinsen vorliegen oder nicht. Künftig werden 25 % aller Zinsen hinzugerechnet.

Somit gibt es nur noch im Jahr 2007 die Möglichkeit, eine Hinzurechnung und damit eine steuerliche Mehrbelastung durch die Vermeidung von Dauerschulden zu umgehen. Von Dauerschulden spricht man bei Schulden mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr. Bei Kontokorrentschulden spricht man nur dann von Dauerschulden, wenn praktisch dauernd ein gewisser Mindestbetrag zur Verfügung steht. Das kann man vermeiden, denn es reicht aus, wenn der Schuldsaldo für mindestens 8 Tage im Jahr einen positiven Betrag ausweist. Dann nämlich liegt keine Dauerschuld vor. Achten Sie daher darauf, dass Ihr Kontokorrentkonto an mindestens 8 Tagen im Jahr nicht negativ ist oder sorgen Sie am Jahresende entsprechend dafür. Der Charakter einer Dauerschuld wird aber nicht dadurch beseitigt, dass für die notwendige Zeit ein entsprechender Kredit aufgenommen oder erhöht wird. Es müssen schon wirtschaftliche, also nicht steuerliche Gründe, für einen anderen Kredit sprechen.

Neu ist die generelle Hinzurechnung des sog. Finanzierungsanteils bei Mieten, Pachten und Leasingraten. Dieser wird mit 20 % bei mobilen und 75 % bei immobilen Wirtschaftsgütern angesetzt.

Weitere Neuerungen ab 2008 betreffen den Gewerbesteuerabzug als Betriebsausgabe, der gestrichen wird, die Gewerbesteuermesszahl, die von 5 % auf 3,5 % gesenkt wird, die Abschaffung des Staffeltarifs für Personen- und Einzelunternehmen sowie die Erhöhung des Anrechnungsfaktors bei der Einkommensteuer von 1,8 auf 3,8.

Hinweis:
Die Gewerbesteuer ist und bleibt die wichtigste Einnahmequelle der Gemeinden. Von den einstigen Überlegungen zu deren
Abschaffung ist nun keine Spur mehr. Wie sich die Neuerungen steuerlich auf den einzelnen Betrieb auswirken, hängt
wesentlich davon ab, wie sehr das Unternehmen von den neuen Hinzurechnungsregelungen betroffen sein wird. So sollten Unternehmen
mit einer höheren Gewerbesteuerbelastung rechnen, die hohe Mieten oder Leasingraten zahlen.  

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Besonderheiten bei Kapitalgesellschaften

Körperschaftsteuersatz

Wie eingangs schon beschrieben, wird der Körperschaftsteuersatz von derzeit 25 % auf 15 % ab dem Veranlagungszeitraum 2008 gesenkt.

Unmittelbare Gegenmaßnahmen müssen nicht geplant werden, da sich diese Änderung positiv auswirkt. Empfohlen werden kann, Betriebseinnahmen auf das Wirtschaftsjahr 2008 bzw. bei abweichendem Wirtschaftsjahr auf 2007/2008 zu verschieben, um diese erst mit dem niedrigeren Körperschaftsteuersatz versteuern zu müssen. Andererseits sollten Betriebsausgaben vorgezogen werden, damit diese noch das mit 25 % zu versteuernde Einkommen mindern.

Hinweis:
Da ab 2009 sämtliche Dividenden der Abgeltungssteuer unterliegen, d.h. auch Gewinne, die nach alter Rechtslage mit 25 % in
der Kapitalgesellschaft besteuert wurden, muss geprüft werden, ob „Altgewinne" noch ausgeschüttet werden können und sollen.

Auszahlung des Körperschaftsteuerguthabens

Ab 2008 wird das noch vorhandene Körperschaftsteuerguthaben - unabhängig von einer Ausschüttung - in 10 gleichen Raten an die Körperschaften ausgezahlt. Die bisherige Erstattung in Höhe von einem Sechstel bei ordentlichen Gewinnausschüttungen entfällt damit bzw. war nur noch bei Ausschüttungen möglich, die im Jahr 2006 erfolgt sind. Bei Ausschüttungen im Jahr 2007 bleibt das bestehende Körperschaftsteuerguthaben unangetastet.  

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Unternehmensteuerreform - Auswirkungen auf die Wahl der Rechtsform

Die zum Teil erheblichen Änderungen bei der Unternehmensbesteuerung bringen die Frage in den Mittelpunkt, welche Unternehmensrechtsform aus steuerlicher Sicht am optimalsten ist. Diese Frage kann nur in Abhängigkeit vom individuellen Ausschüttungs- bzw. Entnahmeverhalten beantwortet werden. Obwohl es sich die Große Koalition zum Ziel gesetzt hat, Kapitalund Personenunternehmen weitgehend steuerlich gleich zu belasten, kann dies in der Praxis jedoch nicht erreicht werden.

Wird der Gewinn einbehalten, ist die Besteuerung einer Kapitalgesellschaft gegenüber einem Personenunternehmen günstiger, wenn die persönliche Steuerbelastung des Unternehmers über 30 % liegt. Dieser Vorteil kann umso größer ausfallen, je höher der persönliche Einkommensteuersatz des Unternehmers ist und er von der Thesaurierungsbegünstigung keinen Gebrauch macht.

Wird der Gewinn ausgeschüttet bzw. entnommen, sind die früheren Hauptnachteile der Kapitalgesellschaft in Form einer wesentlich höheren Gesamtsteuerbelastung weitgehend entfallen. Zumindest für Steuerpflichtige mit einem persönlichen Steuersatz im Spitzenbereich hat sich die Gesamtbelastung bei beiden Alternativen stark angenähert. Das gilt auch dann, wenn das Personenunternehmen eine Thesaurierungsrücklage gebildet hat und die Beträge wegen einer späteren Entnahme nachversteuert werden müssen.

Liegt der persönliche Steuersatz des Unternehmers unter 30 %, ist für ihn das Personen- bzw. Einzelunternehmen die bessere Rechtsform. Diese Aussage trifft unabhängig davon zu, ob die Gewinne im Unternehmen verbleiben oder entnommen werden sollen. Die Bildung einer Thesaurierungsrücklage kommt für diesen Personenkreis nicht in Frage, da die Besteuerung dann immer bei ca. 30 % liegen würde.

Sollen die Gewinne im Unternehmen verbleiben und hat der Steuerpflichtige einen relativ niedrigen persönlichen Steuersatz von ca. 35 %, lohnt sich für ihn die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft. Die Inanspruchnahme der Thesaurierungsbegünstigung lohnt sich bei diesem Steuersatz eher weniger, beachtet man die Kompliziertheit des Verfahrens oder die drohende Nachversteuerung.

Unabhängig von der Unternehmensteuerreform bleiben die bisherigen Vorteile einer Personengesellschaft weiterhin bestehen, wie etwa die mögliche Verrechnung von Verlusten mit anderen Einkünften, die einfache Entnahme von Liquidität, kein Risiko einer verdeckten Gewinnausschüttung sowie eine gegenwärtig noch günstige Erbschaftsbesteuerung. Zu den Vorteilen einer Kapitalgesellschaft zählt bspw. die Bildung von Pensionsrückstellungen oder die Anerkennung von Leistungsbeziehungen
zwischen Gesellschaft und Gesellschafter.  

Fazit:
Hinsichtlich der Rechtsformwahl können keine generellen Handlungsempfehlungen gegeben werden. Erkennbar sind jedoch Tendenzen in Abhängigkeit von der jeweiligen Gewinnverwendungssituation. Da die Besteu- erung aber noch von einer Reihe weiterer Einflussfaktoren abhängt, ist es ratsam, seine Entscheidung im Einzelfall überprüfen zu lassen. Außerdem kann die Wahl der Rechtsform nicht nur unter steuerlichen Gesichtspunkten getroffen werden. Auch andere Aspekte, wie z.B. Haftung oder Vertretungsbefugnis, müssen beachtet werden.

Für alle übrigen Steuerpflichtigen gibt es folgende Möglichkeiten, um ihre Steuerlast zum Jahresende zu minimieren:

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Abgeltungssteuer

Ab dem 1.1.2009 wird die Abgeltungsteuer eingeführt, wodurch sämtliche Kapitalerträge pauschal mit 25 % besteuert werden. Neu ist, dass nicht nur die „klassischen" Kapitalerträge, wie Zinsen und Dividenden, unter die Abgeltungssteuer fallen, sondern auch Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren, die bislang nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei verkauft werden konnten. Das nunmehr noch geltende System des Halbeinkünfte-verfahrens entfällt damit für Privatanleger.

Hinweis:
Wertpapiere, die noch vor dem 1.1.2009 erworben werden, können auch nach Einführung der Abgeltungssteuer steuerfrei veräußert werden, wenn die Spekulationsfrist abgelaufen ist. Ohne Ablauf dieser Frist wird das Halbein- künfteverfahren weiterhin angewandt.
Der ohnehin seit 2007 reduzierte Sparerfreibetrag wird künftig in den sog. Sparerpauschbetrag von 801 € (Verheiratete: 1.602 €) übergeleitet. Der Sparerpauschbetrag soll alle Werbungskosten abdecken. Darüber hinaus können keine Werbungskosten berücksichtigt werden. Das birgt insbesondere für Steuerpflichtige mit fremdfinanzierten Kapitalanteilen Nachteile.

Hinweis:
Die Abgeltungssteuer ist grundsätzlich für Kapitalanleger vorteilhaft, deren persönlicher Steuersatz über 25 % liegt und deren Werbungskosten den Sparerpauschbetrag nicht überschreiten. Hier sollte überlegt werden, ob man
Einkünfte aus Kapitalvermögen eventuell ins Jahr 2009 verschiebt, um vom günstigeren Steuersatz zu profitieren. Anleger mit einem niedrigerem Steuersatz als 25 % brauchen übrigens keine Nachteile zu befürchten: ihnen steht immer
noch der Weg offen, sich die einbehaltene Abgeltungssteuer durch eine individuelle Veranlagung erstatten zu lassen.

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Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen und Beschäftigungsverhältnisse

Haushaltsnahe Dienstleistungen und Beschäftigungsverhältnisse werden steuerlich über einen direkten Steuerabzug gefördert. Wie die Förderung im Einzelnen aussieht, soll folgende Übersicht verdeutlichen:

Haushaltsnahe Dienstleistung
Steuerermäßigung

Haushaltsnahe Dienstleistung
maximal steuerbegünstigt
3.000 € bei Pflegeleistungen: 6.000 €

Steuerermäßigung
20 %

maximaler Steuerabzug
600 € bei Pflegeleistungen: 1.200 €
Handwerkerleistungen
maximal steuerbegünstigt
3.000 €

Steuerermäßigung
20 %

maximaler Steuerabzug
600 €
Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse
Steuerermäßigung

Geringfügiges Beschäftigungsverhältnis
maximal steuerbegünstigt
5.100 €

Steuerermäßigung
10 %

maximaler Steuerabzug
510 €
Sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis
maximal steuerbegünstigt
20.000 €

Steuerermäßigung
12 %

maximaler Steuerabzug
2.400 €

Wie sind haushaltsnahe Dienstleistungen von den Handwerksleistungen zu unterscheiden? Nach Auffassung der Finanzverwaltung gehören haushaltsnahe Dienstleistungen zu den Tätigkeiten, die gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts erledigt werden und in regelmäßigen (kürzeren) Abständen anfallen. Darunter fallen bspw. die Kosten für einen Pflegedienst, Gärtner oder Fensterputzer. Begünstigt sind außerdem Umzugskosten. Ebenso
können Mieter oder Inhaber von Eigentumswohnungen die Steuerermäßigung für Dienstleistungen am Gemeinschaftseigentum, wie etwa für Gartenpflege und Hausmeister, geltend machen.
Zu den handwerklichen Tätigkeiten zählen bspw. Tapezier-, Maler-, Sanitär-, Fliesenleger- oder Maurerarbeiten. Auch Kontrollaufwendungen sind begünstigt, wie etwa die Gebühr für den Schornsteinfeger oder die Kontrolle der Blitzschutzanlagen. Werden beide Steuerab-zugsbeträge, d.h. für die Nutzung von Pflege- und Betreuungsleistungen und für die
Inanspruchnahme von Handwerksleistungen, in maximaler Höhe ausgenutzt, können insgesamt 1.800 € von der Steuer abgezogen werden.

Hinweis:
Die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen bzw. Handwerks- leistungen muss durch Überweisung auf das Empfängerkonto nachgewiesen werden. Wird bar gezahlt und eventuell eine Quittung des Empfängers als
Nachweis vorgelegt, führt das zum Versagen der Steuerermäßigung. Als weitere Voraussetzungen muss eine Rechnung des Dienstleisters vorgelegt werden.
Für geringfügige haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse verlangt das Finanzamt die von der Minijob-Zentrale erteilte Bescheinigung.  

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Gesundheitsvorsorge/besondere Belastungen

Krankheitskosten und andere außergewöhnliche Belastungen, wie Unfallkosten, Kosten der Ehescheidung oder auch die Kosten in Sterbefällen, soweit sie das Erbvermögen übersteigen, können steuerlich berücksichtigt werden. Das ist aber nur dann möglich, wenn sie einen bestimmten Betrag - die sog. zumutbare Belastung - überschreiten.
Wie hoch die zumutbare Belastung ist, hängt vom Gesamtbetrag der Einkünfte des Steuerpflichtigen als auch von der Anzahl der Kinder bzw. dem Familienstand ab.

Zumutbare Belastung



Gesamtbetrag der Einkünfte in €
bis 15.340
bis 51.130
über 51.130
1. bei Steuerpflichtigen, die keine Kinder haben und bei denen die Steuer nach der Grundtabelle ermittelt wird
5%
6%
7%
2. bei Steuerpflichtigen, die keine Kinder haben und bei denen die Steuer nach der Splittingtabelle ermittelt wird
4%
5%
6%
3. bei Steuerpflichtigen mit 1 oder 2 Kindern
2%
3%
4%
4. bei Steuerpflichtigen mit 3 oder mehr Kindern
1%
1%
2%

Hinweis:
Damit bspw. Krankheitskosten überhaupt steuerlich geltend gemacht werden können, müssen die Grenzwerte überschritten werden. Gewisse Aufwendungen, wie z.B. die Zahlung des Zahnersatzes, die Anschaffung einer neuen Brille oder von Kontaktlinsen, sollten wenn möglich auf ein Jahr konzentriert werden. Aber auch die Belege für die Zahlung der Praxisgebühr oder andere Quittungen wegen Zuzahlungen im Gesundheitswesen, wie etwa über Medikamentenzu-zahlungen in Apotheken, sollten gesammelt werden.

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Altersvorsorge

Die Berücksichtigung von Sonderausgaben bzw. Beiträgen für die Altersvorsorge wurde durch das Alterseinkünftegesetz ab 2005 grundlegend geändert. Beiträge zu einer sog. Basisversorgung, dazu zählen Beiträge:

· zur gesetzlichen Rentenversicherung,
· zur landwirtschaftlichen Alterskasse,
· an berufsständische Versorgungswerke sowie
· in eine Rürup-Rente.

Werden nun steuerlich verstärkt gefördert. Die Beiträge können jedoch noch nicht in vollem Umfang geltend gemacht werden. Das ist erst im Jahr 2025 der Fall und zwar bis zu einer Höchstgrenze von 20.000 € bzw. 40.000 € bei Verheirateten. Die im Jahr 2007 (2008) geleisteten Beiträge werden nur zu 64 % (66 %) als Sonderausgaben berücksichtigt.

Aus steuerlichen Gründen kann sich der Abschluss einer Rürup-Rente unter bestimmten Voraussetzungen lohnen, denn die Beiträge können bis zur Höhe von 20.000 € bzw. 40.000 € im Jahr als Sonderausgaben abgezogen werden. In Frage kann das für Selbständige kommen, die ihre Altersvorsorge bisher über private Lebens- oder Rentenversicherungen
abgedeckt haben, da diese Verträge an steuerlicher Attraktivität verloren haben. Aber auch wenn sich das Jahreseinkommen durch einmalige Einkünfte erhöht hat, wie etwa durch Veräußerungsgewinne oder Abfindungen, ist der Abschluss einer Rürup-Rente gegen Einmalzahlung interessant, sofern es keine anderen Gestaltungsmöglichkeiten gibt, um die Steuerlast zu senken.  

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2. Steuerberatungskosten: Nichtabzugsfähigkeit vor Gericht

Seit dem Veranlagungszeitraum 2006 können Steuerberatungskosten nicht mehr als Sonderausgaben abgezogen werden.
Wer nach dem 31.12.2005 Steuerberatungskosten zahlt, kann diese nur noch dann steuerlich geltend machen, wenn es sich um Betriebsausgaben oder Werbungskosten handelt. D.h. nur die Kosten für einkunftsartenbezogene Beratungs- und Deklarations-leistungen können berücksichtigt werden. Private Steuerberatungskosten, wie z.B. für eine Erbschaftsteuererklärung, werden zur Privatangelegenheit. Dabei sind die Kosten für Steuerberatung für die meisten Steuerpflichtigen unvermeidbar, da das deutsche Steuer- recht alles andere als einfach ist. Um ihre steuerlichen Pflichten zu erfüllen, sind die Steuerpflichtigen geradezu auf fachliche Unterstützung angewiesen.

Inzwischen gibt es zwei Musterverfahren vor den Finanzgerichten, die sich gegen die Nichtabzugsfähigkeit der privaten Steuerberatungskosten ab dem Jahr 2006 richten. Die Steuerpflichtigen haben sogar angekündigt, dass sie bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen wollen.

Hinweis:
Damit Sie von den Musterverfahren profitieren können, sollten Sie gegen Ihren Einkommensteuerbescheid Einspruch einlegen. Verweisen Sie auf die beiden anhängigen Verfahren vor dem Niedersächsischen Finanzgericht (Az. 10 K 103/07) und dem Finanzgericht Baden-Württemberg (Az. 5 K 186/07) und beantragen Sie das Ruhen des Verfahrens. Das Einspruchsverfahren ruht dann zwar nicht kraft Gesetz, denn das ist erst dann der Fall, wenn die Verfahren beim BFH anhängig sind. Allerdings kommt ein Ruhen aus Zweckmäßig-keitsgründen in Betracht. Es steht jedoch im Ermessen Ihres Finanzamts, ob es das Verfahren tatsächlich ruhen lässt und sicherlich kommen nicht alle Finanzämter diesem Antrag nach. Gegebenenfalls sollte auf die Verfügung der OFD Koblenz verwiesen werden, die die Finanzämter in ihrem Bezirk zur Verfahrensruhe angewiesen hat. Wir beraten Sie gern!

Quelle: OFD-Koblenz, Verfügung vom 20. August 2007, S 2221 A St 32 3, LEXinform Nr. 5230834

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3. Rückstellung für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen  

Der Bundesfinanzhof hat bereits im Jahr 2003 entschieden, dass für die zu erwartenden Aufwendungen für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen eine Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten zu bilden ist, weil dafür eine öffentlich-rechtliche Aufbewah-rungspflicht nach dem Handelsgesetzbuch bzw. der Abgabenordnung besteht. Die Passivierungspflicht besteht sowohl in der Handelsbilanz als auch (über den Maßgeblichkeitsgrundsatz) in der Steuerbilanz.

Es besteht nicht für alle Unterlagen eine gesetzliche Aufbewahrungspflicht von zehn Jahren. Einige Unterlagen sind nur über einen kürzeren Zeitraum oder auch gar nicht gesetzlich aufzubewahren. Zehn Jahre lang aufzubewahren sind insbesondere Jahresabschlüsse mit allen dazugehörenden Unterlagen, Buchungsbelegen sowie Ein- und Ausgangsrechnungen. Handels- und Geschäftsbriefe sowie sonstige Unterlagen, soweit sie für die Besteuerung von Bedeutung sind, sind sechs Jahre lang aufzubewahren. Werden Unterlagen freiwillig länger aufbewahrt, fehlt es an der rechtlichen Verpflichtung. Eine Rückstellung kommt dann insoweit nicht in Betracht. Die Höhe des rückstellungsfähigen Aufwandes kann daher nur im Einzelfall festgestellt werden. Dabei kommt es vor allem darauf an, wie sich die aufbewahrten Unterlagen zusammensetzen.  

Hinweis:
Wenn es keine Feststellungen zur Zusammensetzung der aufbewahrten Unterlagen gibt, kann für Unterlagen, zu deren Archivierung der Unternehmer nicht verpflichtet ist, ein Abschlag von 20 % der Gesamtkosten vorgenommen werden.

Quelle: OFD-Hannover, Verfügung vom 27. Juni 2007, S 2137 106 StO 222/221, LEXinform Nr. 5230901


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